Trekking Hardangervidda | Von Schafen auf Steinen und den Berglemmingen

Zu Fuß unterwegs in der Hardangervidda

Auf meinem kleinen Skandinavien Trip im Sommer 2014 habe ich neben Paddeltouren in Südschweden, Städtetrips in Norwegen und Schweden auch einige Trekkingtouren unternommen. Zwei kurze Touren einmal zum Preikestollen und zur Trolltunga habe ich vorgestellt. Nun folgt die größere. Das Ziel hatte ich bereits hier angekündigt und eine Route hatte ich auch ausgetüftelt. Aber wie so oft kommt es ja immer etwas anders als man plant. Von den anfangs geplanten 10 Tagen sind es am Ende 5 Tage geworden.

Schon die Anreise über eine der, in Norwegen extra gekennzeichneten, Landschaftsrouten hat sich mehr als gelohnt. Jede Haltebucht lädt mit fantastischen Blicken direkt zum halten und Fotos schießen ein. Den Startpunkt der Tour habe ich nicht geändert, bin aber ersteinmal daran vorbei gefahren. Es ist später Nachmittag und ich möchte am nächsten Tag loswandern. Nach einem spektakulären Tunnel finde ich einen kleinen „unscheinbaren“ inoffiziellen Zeltplatz. Der Besitzer ist sehr nett und für wenige Kronen kann ich hier die Nacht bleiben.

Tag 1 – Sonnenschein, Jagdhund und endlich gehts los

Am nächsten Morgen ist es nass. Der Tau liegt noch auf jedem einzelnen Grashalm und auf meinem Zelt. Die Sonne wird es wohl erst gegen Mittag in das winzige Tal schaffen, dass sich Straße, Fluss und kleine Grundstücke teilen. Ich packe alles zusammen und fahre wieder das kleine Stück zurück durch den Tunnel. Bei Liseth gibt es einen kleinen Parkplatz direkt an der Straße und gegenüber vom versteckten Anfang meines Trekkingpfades. Es ist ein offizieller Weg, welcher durch die Hardangervidda führt. Doch für das ungeübte Auge ist die Markierung (ein rotes T) fast nicht zu erkennen.

Jetzt geht es bei strahlendem Sonnenschein los. Der Rucksack fühlt sich schwer an. Messen kann ich es nicht, aber ich habe viele Sachen im Auto lassen können. Auch bei der Nahrung war ich diesmal sklavisch: Knorr Fertiggerichte und Müsli (in Verbindung mit einer Kaltschale Fertigpackung, ein wirklich fabelhaftes Müsli) für den Morgen sollten genügen. Der kleine Jetboil Flash und einen extra Topf mehr war es nicht. Beachten sollte man auch, dass ich diesmal in Begleitung reise. (Tipps zum Trekking alleine findet ihr hier.) Aber dennoch war das Gepäck irgendwie schwer. Da habe ich mir zum zweiten Mal geschworen, dass ich auf jeden Fall demnächst an meiner Ausrüstung feilen werde. (Anmerkung des Autors: Erste Schritte sind schon unternommen worden). Unabhängig vom schweren Rucksack fühlen sich die ersten Meter toll an. Es geht durch einen kleinen „Wald“ über eine Brücke direkt einen Berg hinauf. Nach der Baumgrenze wird man aber gleich mit fantastischen Blicken über die Hardangavidda belohnt. Ein wenig wie in Schweden. Die Sonne scheint immer noch. Als erstes wird der restliche halbe Cakees Kuchen verspeist (hier steckt ordentlich Gewicht drin ;). Immer wieder begegne ich Schafen, die hier leben und vermutlich auch arbeiten. Schon bald sehe ich keine Häuser mehr und fühle mich dabei sehr wohl.

Nach ca. 8 km komme ich an eine kleine „Siedlung“. Es ist mehr eine Ansammlung von kleinen Jagdhütten (Berastøllen). Dort treffe ich einen Jäger mit seinem Hund. Wir kommen ins Gespräch und er erzählt mir, dass er den Hund auf irgendwelche Vögel trainiere. Der Hund hat ein GPS und so kann er bis auf 10 km sehen, wo er sich gerade befindet und vermutlich auch, ob es dort etwas Spannendes gibt. Ich berichte von meinem Vorhaben und der Mann empfiehlt mir den schöneren Weg über den Berg (Fljotdalsfjellet, 1301 m) zu nehmen als den längeren aber nicht so schönen drum herum. Laut GPS hatte ich es eh vor und so machte ich mich an die Steigung den Berg hinauf.

Das Wetter zog jedoch vor Erreichen der Kuppe zu und so baute ich das Zelt an einer gemütlichen Stelle (schön flach und mit Fluss) am Hang auf. Ich war sowieso fertig und es war schon spät. Nachdem ich die Tütensuppe verschlungen habe, ging es noch auf eine kleine Expedition zu einer nahegelegen Kuppe, um einen besseren Überblick zu bekommen und um das schöne, gut sichtbare, orangene Exped Orion Zelt zu fotografieren. Überrascht stellt ich dann fest das nur ca. 100 m oberhalb ein weiteres, fast nicht zu erkennendes, Zelt stand. Also ganz schön was los in der Hardangavidda.

Bilanz des Ersten Tages: Gehzeit 12:50-18:30 mit 10 Kilometer

Tag 2 – Ein Stein voller Schafe, Kalte Füße bei Hedlo und fast kein Zeltplatz

Ich weiß nicht wieso, aber ich komme erst gegen 13 Uhr los (eigentlich weiß ich schon warum…;). Es geht knapp an der Kuppe und dem Hügel vorbei und über eine kleinere Ebene, keine Steigungen. Nur die Schafe scheinen Gefallen am Klettern auf Steine zu haben denn sie drängen sich alle auf den größten. Vielleicht ist die Luft dort oben besser. Ausprobieren konnte ich es leider nicht, denn das Anführerschaf ließ mich nicht nahe genug heran und ich wollte auf keinen Fall einen Streit mit den Schafen anfangen. Heute wollte ich die Hütte Hedlo passieren. Dafür musste ich in ein kleines schönes Tal hinabsteigen, wo sich der andere, längere, nicht so schöne Weg wieder mit meinem vereinen sollte. Deutlich mehr Wanderer sehe ich nun, viele mit nur einem kleinen Rucksack unterwegs. Vermutlich haben sie eine Nacht in Hedlo verbracht und sind nun wieder auf dem Heimweg. Die Bäume werden deutlich mehr je tiefer ich komme und schon bald überragen sie mich wieder. Von meinem Freund der Mücke ist aber zum Glück nicht so viel zu sehen oder spüren.

Hedlo heißt Hedlo, weil es dort einen großen Stein gibt, der früher Schutz und Unterkunft für die vermutlich zahlreichen Schäfer bot. Und dieser Schutz bzw. Stein heißt Hedlo. Heute ist er mit Brettern vernagelt und eng mit der Hütte verknüpft. Von der Spitze aus hat man eine schöne Aussicht über den Fluss Veig und das gesamte Tal. Der Fluss geht bis nach Eidfjord und mündet dort in den Fjord. Kurz nach der Hütte gibt es einen kleinen Strand, an dem Mutige, wie ich :), sich gerne im kalten Wasser baden können. Bei mir reicht es aber nur für eine kleine Kneipp-Anwendung mit den Füßen.

Ich verlasse das schöne Tal und folge dem Fluss weiter über zum Teil große Steinplatten (bei Nässe sehr rutschig). Das Rjortemyrane, ein kleines sumpfiges Gebiet, zwingt mich dann aber den Fluss zu verlassen. Ein paar Hütten stehen da und schon wieder wird das Wetter zusehends schlechter. Ich halte schon immer die Augen für einen geeigneten Platz offen, aber so richtig bietet sich nichts an. Der Weg teilt sich schon wieder. Der eine führt nach wenigen Kilometern nach Hadlaskard der andere, deutlich länger und vermutlich auch verlassener, Richtung Sandhaug bzw. Besso. Ich entscheide mich für den Letzteren, auch weil er auf der Karte einfach viel besser aussieht – mit den ganzen Seen und dem Plateau.

Doch vorher geht es wieder bergauf und die Zeit rennt zusehends in der Hardangervidda. Die Suche nach einem geeigneten Lagerplatz hat sich erschwert. Es gibt fast keine Stelle, die groß genug ist und einigermaßen geschützt liegt. Da es nun schon kurz vor 19 Uhr ist, lege ich den immer noch schweren Rucksack ab und begebe mich auf die, jetzt leichtere, Suche. Glücklicherweise finde ich eine kleine flache Wiese an einem Bächlein. Geschützt, schön flach und gerade, perfekt also für das komfortable Orion 3.

Ich zelte unterhalb von Rjupehaug und die Nacht verläuft ruhig…naja nicht ganz. Irgendwie „raschelt“ es im Gras und ich höre ständig ein kleines Fiepsen. Ich habe es bereits im „Hardangervidda“ Reiseführer gelesen, dass es alle 3-4 Jahre ein sogenanntes Lemmingjahr gibt. In diesem Jahr ist die Population der Berglemminge stark angewachsen und es gibt tausende von den kleinen Tierchen. Aber für diese Nacht blieb es nur bei den wunderlichen Geräuschen.

Bilanz des Zweiten Tages: Gehzeit 13:00-19:30 mit 11 Kilometer

Tag 3 – Auf dem Plateau der Lemminge, Schnee

Wie soll ich das nur erklären? An diesem Tag geht es auch erst weit nach 13 Uhr weiter. Die Freude über den schönen Platz ist immer noch sehr groß und am Liebsten würde ich noch einen Tag bleiben, aber das Wetter ist nicht das Beste. Es regnet zwar noch nicht. Jedoch lugt die Sonne nur kurz zwischen den dicken Wolken hervor. Zudem soll es die nächsten Tage schlechter werden, so der Jäger mit dem Jagdhund. Die letzte kleine Steigung hoch auf das Plateau ist schnell geschafft. Schließlich habe ich gut gefrühstückt und bin ausgeschlafen. Es geht durch das kleine Tal Hallaskar, immer entlang eines kleinen Flusses. Es ist deutlich kälter und die ersten Schneefelder tauchen auf.

Vielleicht liegt es an der Kälte oder der Nahrungsknappheit, denn hier oben scheinen die kleinen Berglemminge nicht allzu schnell zu sein. Sonst verschwanden sie förmlich schon beim Entdecken in ihre zahlreichen Erdlöcher. Zum Glück für mich, dass sie etwas langsamer sind und ich kann ein paar Fotos machen.

Am Ende des kleinen Tales blicke ich über die beindruckende weite Hochebene der Hardangervidda, zumindest einen kleinen Teil davon. Im Hintergrund, also in Trekking Richtung, sieht das Wetter aber grauenhaft aus. Sehr dunkel und fast schon schwarz hocken vermutlich dicke Regenwolken über einer kleinen Bergkette. Ich beobachte das Wetter die ganze Zeit, man weiß ja nie. Es geht etwas hinab auf die Hochebene und hier läuft es sich wirklich fabelhaft. Es sieht zwar ein wenig aus wie das Ende der Welt mit  den vielen kleinen Seen, welche nicht zum Baden einladen. Dennoch habe ich großen Spaß daran dort zu wandern bzw. zu trekken.

Da ich für die Nacht heftiges Wetter erwarte, suche ich einen möglichst geschützten Lagerplatz. Direkt am See war mir zu riskant, ich wusste nicht wie viel Regen herunterkommen würde und die Seen lagen zum Teil immer in irgendwelchen Senken. Ich fand einen schönen Platz zum Übernachten, welcher von 2 Seiten ausreichend geschützt war. Das Problem der Überschwemmung würde es somit nicht geben. Einziger Nachteil war die Wasserquelle, die sich ein gutes Stück entfernt befand. Der Fluss war eiskalt und glasklar. Ich habe einen meiner Exped Packsäcke mitgenommen und ihn als Wassersack benutzt. Trinkwasser für den nächsten Tag habe ich vorsichtshalber mit meinem Sawyer gefiltert (man weiß ja nie bei den vielen Lemmingen, viele Tote habe ich bereits gesehen.). Das Brauchwasser habe ich direkt aus dem Sack entnommen. Das Wetter hat sich beruhigt und so verlief das allabendliche Zähneputzen ganz entspannt mit Kopflampe und warmer Kleidung draußen. So konnte ich noch mehr von der beeindruckenden Landschaft aufzusaugen.

Bilanz des Dritten Tages: Gehzeit 13:40-18:40 mit 11 Kilometer (GPS war leider 1,5 km ohne Strom)

Tag 4 – Ungebetene aber niedliche Besucher, Überraschungsdusche

Die Nacht war mehr als unruhig. Gefühlt sind 100 Berglemminge um das Zelt herumspaziert. Immer wieder habe ich sie verscheuchen müssen. Vielleicht habe ich das Zelt aber auch direkt auf ihrem Eingang aufgebaut, ich weiß es nicht. Das Wetter, beim Blick aus dem Zelt, sieht schlecht aus. Besser gesagt, es regnet. Erst gegen 15 Uhr ziehen die leichten Regenwolken ab und ein wenig Sonne zeigt sich. Ein paar Wolken hier und da und immer noch  in weiter Ferne diese schwarze Wand.

Nachdem ich alles zusammengepackt habe, geht es weiter über das überschaubare Plateau. Es erinnert ein wenig an Lappland, ein paar sanfte Hügelchen, Seen, Sonne und die tolle Luft. Es ist nicht besonders kalt, ich bin im langärmeligen Merinoshirt unterwegs, meine Begleitung sogar kurzärmelig. Das Laufen bzw. Trekken ist hier sehr entspannt und es bleibt viel Zeit, um sich Natur und Tiere anzuschauen. Hier zeigen sich die Störenfriede der letzten Nacht von ihrer besonders niedlichen und putzigen Seite. Ein kleiner Berglemming ließ sich nicht durch meine Anwesenheit stören und so konnte ich ihn in aller Ruhe fotografieren (vielleicht hoffte er auf etwas Futter).

Nach der kleinen Fotosession machte mir aber das Wetter wieder Sorgen. Die schwarze Wand, welche ich seit 2 Tagen beobachte, kommt immer näher. Ich habe den richtigen Riecher und baue eine kleine Notunterkunft aus der Zeltunterlage vom Orion 3 und den Trekkingstöcken, alles schön dicht an einem Felsen und auf der regenabgewandten Seite. Nur eine Minute später kam ein starker Regenguss. Noch einmal Glück gehabt. (Übrigens wie ihr ein Silkonzelt regendicht bekommt, erfahrt ihr hier)

Es geht weiter auf dem Pfad Richtung der Hütte Sandhaug. Zur rechten Seite immer im Blick den großen See Nordmannslågen. Nach Grønahæ, einer kleinen Abzweigung, zu der man über eine Sommerbrücke auf die andere Seite des Sees gelangt und somit zur Hütte Besso, beginnt ein etwas sumpfiges, teils von Mücken bevölkertes Gebiet. Der Weg ist noch ausreichend gekennzeichnet, doch die Mücken nerven schon wieder. (Dabei war ich heil froh, als es beim Paddeln im Dalsland so gut wie keine gab.) Nach kurzer Zeit kommt eine Brücke, die über den Fluss Nordåna führt, ein Zufluss vom kleineren Nordvatnet. Vor der Brücke gibt es ein schönes Stück Land, etwas tiefer liegend, geschützt und in unmittelbarer Nähe zu einem Fluss. Der Ideale Platz für eine weitere Nacht in der Hardangervidda. Auf der Brücke trockne ich noch schnell die nasse Zeltunterlage und genieße die letzten Sonnenstrahlen des Aprilwetters :). Bis jetzt hatte ich noch keinen Gegenverkehr und so nutze ich die Abendstunden für eine kurze, kalte „Dusche“ im Fluss.

Bilanz des Vierten Tages: Gehzeit 15:20-18:45 mit 8 Kilometer

Tag 5 – Mistwetter, Verschlossene Türen und freundlicher Norweger

Am Morgen wusste ich noch nicht, was das für ein Tag werden wird. In dieser Nacht habe ich mich an die obligatorische Berglemmingparade um das Zelt herum gewöhnt und konnte relativ entspannt schon vor 11 Uhr aufstehen und zusammenpacken. Das Wetter war bescheiden, es regnet ein wenig. Missmutig und mit wenig Aussicht auf Besserung geht es über die Brücke weiter Richtung Sandhaug. Der Plan heute ist es Richtung der Hütte Fjellstyrehytta zu kommen. Einer der markierten Pfade führt von Sandhaug auch direkt dorthin. Doch bis nach Sandhaug wollte ich nicht erst gehen. Bereits ein gutes Stück vorher führt eine Art „Traktorpfad“ fast parallel zum Wanderpfad in dieselbe Richtung und trifft dann rechtzeitig vor dem großen See Langavatnet wieder auf den Wanderpfad. Eine Abkürzung also.

Der „Traktorpfad“ war wirklich ein Traktor Pfad was sich nicht nur durch die breiten Reifenspuren zeigte, sondern auch mit mehreren Traktoren, die mir entgegenkamen. Dazwischen immer mal wieder ein paar Jäger mit großen Waffen und auch geheimnisvolle Fässer am Wegesrand. Der Regen lässt mal nach, mal wird er stärker und der Wind bläst ununterbrochen.

Dank meines Garmin eTrex 30 komme ich dann auch wieder am Wanderpfad heraus. Dort, weiter Richtung Fjellstyrehytta wird es immer ungemütlicher. Regen, Regen und nochmehr Regen. Meine Arcteryx Jacke hält diesen gewaltigen Massen stand nur die Jacke meiner Begleitung ist etwas unzuverlässiger (meine erste Salewa Regenjacke von meiner Trekkingtour auf dem Kungsleden im Jahr 2012). Es wird mehr oder weniger nass und kalt und das bedeutet ungemütlich. Eine Nacht im Zelt ist nicht das angestrebte Ziel für heute Abend. Die Hütte Fjellstyrehytta liegt nur wenige Kilometer entfernt und ich steuere sie für eine Nacht an. Auf dem Weg dorthin kommen mir immer mehr Jäger entgegen.

Es ist 17:30 und ich klopfe vergeblich an die Türe der geschlossenen Fjellstyrehytta. Auch die wenige hundert Meter entfernte Tronsbu Hütte hat geschlossen. Zum Glück führt eine Straße an dieses Ende der Hardangervidda mit einem Parkplatz voll mit Jägerfahrzeugen. Doch alle Jäger sind bereits unterwegs. Da eine weitere Nacht im Zelt nicht in Frage kommt, bleibt nur die Hoffnung auf eine Mitfahrgelegenheit Richtung Dyranut turisthytta, der nächsten Hütte, welche gleichzeitig an der Landschaftsroute liegt inklusive einer Bushaltestelle, von welcher ich wieder zum Auto zurück kommen könnte. Ich folge also der Straße in der Hoffnung auf zahlreiche Autos. Und entgegen meinen Erwartungen kommt mir ein großes Wohnmobil aus Dresden entgegen. Freundliche Worte werden getauscht und ich gebe mich als ehemaligen Leipziger zu erkennen. Doch leider fährt die kleine Familie in die falsche Richtung und ist auch nicht bereit meine völlig durchnässte Begleitung und mich die 7km zur Dyranut turisthytta zurückzufahren.

Doch auf die Norweger ist Verlass. Kaum sind die Dresdner verschwunden, höre ich diesmal hinter mir das nächste Fahrzeug. Ein kleineres aber geländefähiges. Ein norwegischer Jäger mit seinem Hund ist auf dem Heimweg nach Eidfjord. Ohne großes Gerede dürfen wir trotz Kindersitz auf der Rückbank und vollem Kofferraum (Jagdhund) mit all unserem Gepäck und triefend nass einsteigen. Wir unterhalten uns sehr nett und erfahren, dass er eigentlich aus Trondheim stammt, es ihn aber der Liebe wegen nach Eidfjord  gezogen hat. Auf die Nachfrage, was die vielen Jäger in der Hardangervidda machen, erzählt er, das morgen die Rentier-Jagdsaison beginnt und die Jäger nun ihre Posten beziehen. Der nette Norweger, wie ich ihn einmal nennen möchte, da mir sein Name entfallen ist, war nicht nur so freundlich und hat zwei nasse Wanderer eingeladen, sondern er hat sie auch noch direkt zu ihrem geparkten Auto bei Liseth gefahren. Es lag  zwar sowieso auf dem Weg, aber trotzdem vielen Dank dafür.

Leider habe ich kaum Fotos gemacht an diesem Tag, obwohl es wirklich tolle Stellen gab. Aber irgendwie war bei diesem Dauerregen die Motivation sehr gering, die Kamera herauszukramen und zu fotografieren. Im Nachhinein ärgere ich mich immer wieder darüber.

Bilanz des Fünften Tages: Gehzeit 11:20-18:10 mit 22 Kilometer (+ 27 Kilometer im Auto des Norwegers)

Zufrieden und überglücklich im Auto ging es dann erstmal nach Eidfjord in den Supermarkt zum Käse und Brot kaufen (angesichts der norwegischen Preise – Luxus). Durchgefroren und keine Lust auf Zelten entschlossen wir uns für noch mehr Luxus :). Die folgenden zwei Tage verbrachten wir in einer komfortablen Ferienwohnug für insgesamt 1200 NOK mit Waschmaschine, Bad, Küche, Wohnzimmer, Kinderzimmer, Schlafzimmer und Flur.

Empfehlung! Kartenmaterial und Bücher

  • “Norwegen: Hardangervidda”, Conrad Stein Verlag  (ISBN:978-3-86686-412-2), ca. 15 €
  • Turkart 2677: Eidfjord 1:50.000, nordeca, 25,95 € (gekaufen bei Geobuchhandlung.de)
  • (Turkart 2727: Rauhelleren 1:50.000, nordeca, 25,95 € (gekauft bei Geobuchhandlung.de)) nicht zwingend nötig
  • Digitales Kartenmaterial von openstreetmap.org in Zusammenarbeit mit Garmin BaseCamp

Gesamte Route im Überblick

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8 Antworten

  1. nico sagt:

    Hej!
    Toller Bericht mit tollen Bildern! Das lässt mich in Erinnerungen schwelgen. Wir haben 2013 die Hardangervidda im Westen von Finse nach Haukeliseter überquert. Das waren wirklich anstrengende aber auch tolle Tage! Dabei haben wir ehrlich gesagt festgestellt, dass die Angaben im Reiseführer des Conrad Stein Verlags alles andere als genau sind. Siehe auch unsere Tourübersicht und -berichte. 😉

    Dieses Jahr gehts übrigens für mich auf den Kungsleden!
    Grüße aus der Pfalz und viel Spass bei Deinen Touren!

    nico

  2. Marcel sagt:

    Hey,

    Toller Bericht, die Hardangervidda steht, wie so vieles, auch noch auf meiner ToDo-Liste. Macht richtig Lust wieder in die Natur zu starten. Vielen Dank für die tollen Eindrücke und die Empfehlungen. Macht es nicht gerade einfacher die Route für die diesjährige Tour zu bestimmen 😉

    Gruß

    Marcel

  3. Frieda sagt:

    Hi. Toller Bericht mit noch besseren Fotos. Wundervolle Landschaftsbilder – gratuliere

  4. Basti sagt:

    Sehr cooler Bericht, danke!!!!
    Wie sieht es mit den Mücken aus? Genug Wind vorhanden, sodass sie nicht zu merken sind?
    Wann im Sommer warst du ca. da?
    Gruß Basti

    • Basti sagt:

      Ich konnte nur eine kurze Mückenerwähnung finden, deshalb die Frage 😀

    • Hallo Basti,
      schön das dir der Bericht gefällt.
      Mit den Mücken war es mal so mal so, in den Senken und wenn kaum Wind da war dann waren welche da aber nicht übermäßig viele (zum Glück) weiter oben und mit etwas wind und Kälte waren so gut wie gar keine Mücken die genervt haben. Ich denke es hat auch etwas mit dem Monat zu tun in dem ich da war (August) da waren vielleicht schon viele weg.

  1. 01/03/2015

    […] Den Bericht zur Tour findet ihr HIER […]

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