Der Traum vom eigenen Boot | Das Gumotex Palava

Das Gumotex Palava 400

Als Kind habe ich mir den Traum vom eigenen Boot stets mit kleinen Schiffchen aus Papier und Plastik, wenn auch nur kurzzeitig, erfüllt. Später waren es dann die Hausboot-Urlaube in Frankreich bei denen ich, zur Freude aller, als Steuermann fungieren durfte. Von den kleinen handlichen Badewannenbooten bis zu den großen motorisierten 15 Meter Schiffen. Beide haben ihre Vor- und Nachteile.

Jetzt bin ich stolzer Eigentümer eines eigenen Bootes. Wenn auch nur aufblasbar, dafür aber äußerst mobil und robust. Es ist von der tschechischen Firma Gumotex. Dieses Unternehmen stellt schon seit 50 Jahren Schlauchboote bzw. luftgefüllte Boote einerseits für die Wassertouristik und andererseits für den ernsthaften sportlichen Einsatz her. Die Produktpalette reicht von Kajaks über Kanus bis zu Booten fürs Rafting. Ich habe mich für das Gumotex Palava 400 entschieden. Ein Schlauchkanu mit Wildwasserambitionen für das Kanutrekking in Schweden.

Pro Eigenes Boot, Pro Schlauchboot

Einfach so würde ich kein Boot kaufen. Aber ein Kanuurlaub mit einem eigenen Boot das wäre super: Diese Jahr geht es ja nach Schweden und Norwegen zum Trekking aber auch zum Kanufahren. Natürlich könnte ich mir vor Ort bei den zahlreichen Verleihstationen (eine gute Liste findet sich hier) ein Kanu oder ähnliches ausleihen. Jedoch kostet das [highlight]zehntätige Kanuerlebnis eine ordentliche Stange Geld[/highlight]. Zudem ist man nicht so [highlight]flexibel[/highlight] bezüglich der Reiseroute und Reisedauer. Der Vorteil eines eigenen Bootes wäre für mich: Ich könnte [highlight]jederzeit paddeln oder auch einfach mal so auf einem See einen Tag abhängen[/highlight]. Das Boot müsste aber [highlight]leicht transportabel[/highlight] sein. Deshalb scheidet ein festes Boot aus, da es sich nur schwer transportieren lässt. Zudem ist es schwierig, es unbeaufsichtigt (auf einem Autodach) zu lassen.

Meine Kriterien für ein eigenes Boot

  • Es muss im Auto verstaubar sein und sollte wenig Platz wegnehmen.
  • Es sollte leicht sein.
  • Es sollte einfach zu transportieren (im Rucksack oder Packsack) sein.
  • Es sollte robust sein.
  • Es sollte kein Vermögen kosten.
  • Es sollte schnell einsatzbereit sein.

Die Entscheidung

Ein Schlauchboot. Die Grabner Modelle sind nach meinen Recherchen Marktführer, aber auch sehr teuer. Die Packrafting Boote sind auch nicht preisgünstig. Aber sie entsprechen dem, was ich suche. Naja, vielleicht in 10 Jahren! Günstigere Boote in dieser Sparte bietet die Firma Seyvelor an. Sie entsprechen allerdings nicht meinen Anforderungen. Letztendlich habe ich mich für die Firma Gumotex entschieden. Sie haben genau wie die Grabner eine gute Auswahl an robusten und äußerst transportablen Modellen. (Hier zwei Touren die ich mit dem Boot gemacht habe: Urban-Tour / Dalsland)

Das Gumotex Palava 400

Technische Daten:

  • Länge: 400 cm
  • Breite: 90 cm
  • Gewicht: 17,5 kg
  • Max. Tragfähigkeit: 240 kg
  • Personenanzahl: 2 (plus 1 Kind)
  • Material: Nitrilon
  • Luftkammern: 3
  • Schlauchdurchmesser: 29 cm
  • Packmaße: 55 x 40 x 25 cm
  • Max. Betriebsdruck: 0,2 Bar
  • Wildwasser tauglich: JA bis WW2
  • Einsatzzweck: Flüsse und Seen aber auch Wildwasser
  • Lieferumfang: Boot, 2x Sitzbretter mit Befestigung, Transportsack, Schwamm, 2x Schenkelgurte, Ventiladapter, Flickzeug, 2 kleine Mesh-Säckchen, Anleitung

Details

Ich habe das Boot nun schon zweimal richtig im Einsatz gehabt. Zum einen im Leipziger Neuseenland und zum anderen auf dem Wannsee bei Berlin für eine kleine Runde. Nun möchte ich gerne über meine bisherigen Erfahrungen berichten. Bis jetzt macht das Gumotex Palava eine sehr gute Figur.

Beim ersten Auspacken war das Boot [highlight]wunderschön klein verpackt[/highlight], die Ventile waren abgeklebt, ein Qualitätszettel lag bei auf dem aufgeführt war das alles, händisch, von einem Mitarbeiter geprüft wurden ist. Die [highlight]Anleitung beschreibt gut und in deutsch[/highlight] wie man mit dem Boot umzugehen hat und es liegt auch ein Zettel bei wie man das Boot aufbläst und auch wieder zusammenpackt. Das erste Probeaufpumpen (mittlerweile dauert das nur noch ca. 12 Minuten) fand im Zimmer statt. Ganze 4 Meter, so lang wie 2 Betten. Ich konnte also schon mal Probeliegen. Beim ersten zusammenpacken habe ich es natürlich [highlight]nicht wieder auf die Ausgangsgröße bekommen[/highlight], obwohl ich der Anleitung als auch meiner Intuition gefolgt bin. Ein kleiner Dämpfer denn es sollte ja wieder in den mitgelieferten Transportsack passen. Nach ewigem probieren habe ich dann das Boot einfach nur gefaltet wie ich es für richtig empfand und es passte dann auch rein, anderes aber es passte.

Das Gumotex Palava ist [highlight]äußerst kippstabil[/highlight] so das ich mich sogar hinstellen kann. Es gibt im hinteren Bereich des Bootes ein paar [highlight]Befestigungsschlaufen für Gepäck[/highlight] sowie ein paar Gummiseile die an den enden des Bootes gespannt sind. Wenn man zu zweit unterwegs ist kann man die Halterung für den dritten Sitz in der Mitte noch zur Befestigung verwenden. Wenn man im Boot sitzt hat man eine gute Aussicht denn [highlight]man sitzt wesentlich höher[/highlight] als z.B. in einem Kajak, so lässt sich das Palava auch sehr gut [highlight]mit Stechpaddel fahren[/highlight]. Wenn man länger damit unterwegs ist sollte man sich vielleicht noch eine kleine Sitzunterlage aus EVA (Isomatte) basteln denn auf Dauer schmerzt es schon etwas auf dem zwar gepolsterten Holzbrett zu sitzen.

Bis jetzt war ich mit dem Boot immer zu zweit unterwegs, bin es aber auch kurzzeitig (um es auszuprobieren) alleine gefahren. Da habe ich deutlich gemerkt das es nicht nur wesentlich langsamer voran geht sondern auch das es auf [highlight]eine präzise Paddeltechnik[/highlight] ankommt. Es sei denn man möchte immer Zickzack fahren. Aus Berichten im Internet habe ich gelesen das man die Spurtreue wesentlich verbessern kann mit einer [highlight]kleinen Finne[/highlight] die man unten am Boot befestigen kann. Die Finne gibt es als Kit auch von Gumotex zu kaufen, jedoch habe ich keine sonderlichen Probleme mit der Spurtreue gehabt. Vielleicht kommt das ja noch wenn man Tag um Tag auf dem See paddelt.

Super finde das [highlight]Material des Bootes[/highlight]. Es sieht und wirkt nicht nur robust, es ist auch robust. Ich habe es schon über steinige Strände, sandige Strände und grasige Strände gezogen, oft mit vollem Gepäck und teilweise auch mit einer Person darin. Es hat bislang noch kein Loch bekommen und man sieht auch nur minimale Gebrauchsspuren am Boden.

Eine Sache habe ich noch nicht herausgefunden: Kann man im Wasser auch wieder ins Boot einsteigen? Ich werde es wohl irgendwann mal testen müssen.

BEACHTEN: Das Boot sollte vor dem verstauen immer gut getrocknet werden sonst bildet sich Schimmel auf der Oberfläche. Hat man eine Garage kann man es auch super leicht aufgepumpt lagern.

ACHTUNG: Wie jedes Luft gefüllte Boot scheint auch das Palava, kurz nach dem Wasserlassen, etwas Luft zu verlieren. Das ist ganz normal. Durch die Kälte des Wassers zieht sich die Luft im inneren etwas zusammen. Ein kurzes Nachpumpen hilft da schon.

Paddel, Pumpe und Westenpflicht

Ganz ohne irgendwas fährt das Boot nicht. Paddel sind von Nöten. Besonders gut fährt sich das Palava, eben weil es dem Kanadier sehr nahe kommt, mit Stechpaddel. Durch die erhöhte Sitzposition kann man sehr gut ins Wasser eintauchen und auch kräftig nach hinten durchziehen. Wer noch nie mit Stechpaddel gefahren ist sollte sich im Vorfeld einige Techniken (z.B. bei Youtube) anschauen, die können sehr hilfreich sein. Ich habe mich für Holzpaddel von der Firma „The Stork“ entschieden.

In Schweden gilt eine allgemeine Westenpflicht wenn man sich auf Gewässer, sei es Fluss oder See aufhält. Hier habe ich mich für einfach Westen von Baltic entschieden, auch aus Kostengründen.

Zu Guter letzt fehlt noch eine Pumpe. Hier kann man keine Fahrradpumpe verwenden sondern man benötigt eine „spezielle“ Pumpe. Da das Boot mit maximal 0,2 Bar aufgepumpt werden darf reicht eine Pumpe die den Wert erreicht oder drüber geht. Ich habe eine Doppelhubkolben Pumpe welche bis maximal 1 Bar Druck erzeugen kann. Besonders gut ist das oben montierbare Manometer, welches den Luftdruck misst. Allerdings nur beim Pumpen und es erfordert deswegen etwas Erfahrung und Übung wie viel Luft man jetzt in das Boot pumpt. Auf Nachfrage bei einem deutschen Vertriebspartner schadet es aber nicht sollten es mal 0,25 Bar sein.

[highlight]Nicht vergessen: Alles was nicht nass werden soll, wasserdicht einpacken.[/highlight]

Wer mehr vom Boot sehen will, auch wie es im Wildwasser aussieht, der sollte mal auf meinem Flickr Fotostream schauen, dort habe ich ein ganzes Album nur mit Bildern vom Boot 🙂

Das könnte dich auch interessieren...

12 Antworten

  1. Gert sagt:

    Ich kenne den Wunsch nach dem eigenen Boot. Bei mir ist es das Gumotex Baraka geworden, mit dem ich nun doch schon einige Male unterwegs war:

    http://gipfelrast.at/2013/04/neues-spielzeug/

  2. gordon sagt:

    Danke fuer den Bericht. Hat mich ueberzeugt. Hab leider keine Anleitung, montierst du erst die sitze und blaest du erst unten dann die seiten auf ? Gruss

    • Hallo Gordon,

      Ja mann muss zuerst die Sitze festschrauben und danach die Seiten aufpumpen. Zuletzt dann den Boden. Es gibt eine kleine Anleitung zum Boot in der das nochmal erklärt wird. Wenn man erst die Seiten aufpumpt ohne die Sitze dann würde das vermutlich zu weit auseinander gehen.

      Felix

  3. gina sagt:

    Hallo, also mich hat der Bericht auch überzeugt, wenn auch der Preis von knapp 700€ ein wenig schmerzt.
    was mich interessieren würde ist: kann man das Palava auch ohne dieSitze fahren, oder geben erst diese dem Boot die nötige Festigkeit. Ich frürchte nämlich das meine Frau von dem rum lummern in unserem jetztigen Boot ( Neva3) etwas verwöhnt ist u sie lieber auf Luftkissen sitzen würde……
    würde mich über deine Antwort freuen.
    danke

    • Hallo, also ohne die Sitze ist es denke ich nicht so ratsam da sie dem Boot schon entsprechenden zusammenhalt geben wenn es aufgepumpt ist. Man kann aber auf die Size noch zusätzlich material drauflegen, ein Kissen zum Beispiel oder was anderes. Im Prinzip ist es ein Brett, habe mir auch noch einen dritten Sitz gebaut aus einfachem Holz…der findige Tüftler bekommt vielleicht auch einen bequemen Schaukelstuhl hin 😉

  4. Hartmut sagt:

    Hi
    Zugegeben – dein Bericht hat mich bestärkt, mir das Palava zuzulegen.
    Da meine Anforderungsliste mit der deinigen durchaus gleichläuft, war es letztlich die Alternative zum Faltboot. Mit einem zusätzlichen Aspekt, das ich, familiär bedingt, auch noch einen Dackel mit im Boot hab. Dadurch fiel das Faltboot komplett aus und das Palava gewann das Rennen.
    Nun zu meine Updates:
    -Man sollte vermeiden, irgendwelche geschäumten Badteppiche länger am Boden liegen zu lassen (hatte ich drin, als Schutz vor den Hundekrallen. Unproblematich, da er sich gut an den Seiten einklemmt. Problematisch – nach ein paar Tagen backt er an und hinterläßt Reste. Nun, kann man wieder abkratzen, schädigt auch nicht, aber trotzdem. muß ja nicht sein.
    -Aufgrund des Gedankens, was tun, wenns kentert, hab ich mir mal die Mühe gemacht und eine Kenterübung gemacht.
    Also rausfallen, war echt Arbeit… Das Boot umzukippen, wenn man drin sitzt – unmöglich. Irgendwann liegt man draußen und das Boot schießt weg. Also hübsch hinterherschwimmen.
    Reinkommen – seitlich – keine Chance (was mir eh klar war, ich wollts nur geprüft haben). Reinkommen übern Bug oder dem Heck – 5 sek…
    Einfach die Leinen an der Seite packen, das Teil unter den Bauch ziehen ala Luftmatratze und an den Sitzbrettern hochziehen und mittig abknieen. Sorry, in ein Kanu oder Kajak aus PE oder GFK reinkommen ist dagegen Schwerstarbeit…
    Zur Info – meinereiner hat 100kg, bin also nun kein Federgewicht.
    Viel Spaß und probiert es ruhig aus…
    Kratzer von den Griffen braucht man nicht allzudoll fürchten – hält sich in Grenzen…
    Geiler Kahn

    • Hallo Hartmut, schön das dir das Palava gefällt, mir gefällt es auch immer noch (nur das Aufpumpen eher nicht 😉

      kentern ist in der Tat sehr schwierig und über die Seite kommt man nur rein wenn noch jmd im Boot ist ansonsten über das Heck oder den Bug das hab ich auch schon ausprobiert, allerdings wenn du Gepäck drin hast ist es nochmal komplizierter. Schau mal meinen Berichte zu den Paddeltouren an, in Schweden habe ich glaube ich ein paar Fotos mit ordentlich Gepäck.

      Probier mal eine Isomatte unten reinzulegen, müsste Krallen verträglich sein uns sollte nicht am Boot zurückbleiben.

      viele Grüße Felix

  5. Eva Zehetner sagt:

    HI! Hab mir vor kurzem ein Palava gekauft und bin zu zweit sehr zufrieden, aber alleine gehts noch nicht soo gut, nach dem ich eigentlich früher immer vorne gepaddelt habe… kann einige Paddelschläge, aber meine Frage lautet: kannst du welche empfehlen, bzw. wo sind die beiden Sitze beim Alleinfahren am besten zu montieren? Vielen Dank f Antwort! LG, E.

    • Hallo Eva,

      Alleine ist das Boot etwas komplizierter zu lenken aber machbar. Pack den Sitz ganz nach hinten und den vorderen auch in das hinterste Loch, du sitzt hinten und wenn du noch Gewichte hast dann alles möglichst weit nach hinten. Paddelanschläge kenn ich nicht direkt ich mach das eher intuitiv aber ich glaube den schlag den du verwenden müssten ist der „J“ schlag oder so, schau mal bei YouTube da findest du was. Man kommt aber alleine nicht so schnell vorran, kann sich dafür aber wunderbar ins boot legen. Wenn ich alleine Fahre habe ich ja noch mein Packraft 😉 (http://nordtrekking.de/2015/08/endlich-ein-packraft-mrs-microraft/)

      lg, Felix

  6. Eva Zehetner sagt:

    Hi Felix!
    Danke für die Ermunterung…;-)! Mal sehen, ob ich mit einigem Training nächstes Jahr die Donau bis zur Mündung schaff….
    LG, Eva

  1. 05/02/2015

    […] Boot (erste Tests mit dem Boot laufen bereits, später wird das Boot noch genauer vorgestellt: hier), eine Städte-Sightseeing-Tour und mehrere Tagestouren. Das Ganze wird in eine Art Road-Trip […]

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

%d Bloggern gefällt das: