Südschweden 2010 | Mit dem Auto unterwegs. Von Västervik nach Malmö.

Pause in Kalmar

Mein erstes Mal Schweden alleine. Ich habe für die geplanten zwei Wochen ein Auto zur Verfügung, ein Kombi. Das erleichtert einiges an Planung den ich kann bequem im Auto schlafen. Ehrlich gesagt, allzuviel habe ich nicht geplant. Ich will einfach nach Südschweden mit dem Auto fahren und dann mal sehen was so kommt.

Erst Fähre dann Brücke

Es ist noch früh am Abend und ich parke mein Auto auf einem kleinen Parkplatz am Strand, unweit des Hafens entfernt. Es ist ein wunderbarer Platz. Ich kann vom Damm aus die einlaufenden und ablegenden Schiffe beobachten und gleichzeitig den Strand sehen. Ich sitze also auf meinen Campingstuhl, esse etwas und lasse den Tag ausklingen. 1:25 Uhr muss ich schon wieder wach sein und mit dem Auto am Schiff stehen. Ich habe einen Platz im voraus gebucht und so muss ich mich nicht in die lange Schlange der „Spontan“ Fahrer einreihen. Ich lege mich also auf meine äußerst gemütliche Matratze im Auto und verbringe die restlichen 7 Stunden mit schlafen. Morgen steht die Überfahrung der berühmten Öresundbrücke an. Aber zuerst die Fähre von Puttgarden nach Rodby. Ohne Probleme fahre ich direkt an den mit wartenden Müttern, Vätern und schlafenden Kindern gefüllten Autos vorbei. Es lohnt sich schließlich zu buchen und ich komme direkt aufs Schiff. Es ist unglaublich zeitig und so komme ich auch in den Genuss eines wunderbaren ersten Sonnenaufgang in Schweden.

Ins Land von Pippi Langstrumpf

Als erstes Ziel habe ich mir Vimmerby gesetzt, das Land von Pippi Langstrumpf. Ca. 370 km also die ich am ersten Tag schaffen möchte. In Vimmerby habe ich dann vor mir ein schönes Fleckchen zu suchen und ein wenig zu genießen. Aber es ist für mich auch schon ein Genuss mit dem Auto zu fahren und so macht mir der Weg dorthin auch schon Spaß. Nach ca. 1 Stunde meldet sich die vergangene Nacht und mein Bedürfnis nach Schlaf. Dem komme ich nach und halte direkt neben der Straße im Wald und schlafe gemütliche 1-2 Stunden. Nach dem Erwachen nutze ich die Gelegenheit und erkunde die angrenzende Gegend und finde auch einen kleinen See. Bis nach Vimmerby ist es nicht mehr weit und nach einem Frühstück fahre ich weiter. Ich will nicht direkt nach Vimmerby sondern etwas weiter in die Nähe von Kisa. Dort finde ich einen wunderschönen See, an dem ich die nächsten Tage bleibe. Dort mache ich dann erstmal alles was ich mir so vorgestellt habe: Feuer, baden, eine Insel besuchen und die Gegend erkunden. Dummerweise ist mir dann aufgefallen das mein (Billig)Gaskocher nicht mit der Kartusche zurecht kommt. Ich muss also immer über offenem Feuer kochen. Ein Schlauchboot habe ich auch dabei, welches ich natürlich für einen Besuch einer einsamen Insel aufpumpe.

Weiter zur Küste und immer Richtung Süden

Nach ein paar erholsamen Tagen am See und der durchgelesenen Bücherreihe von Philip Ardagh mit den Abenteuer von Eddie Dickens (nebenbei: Humor der auch für Eltern interessant ist) zieht es mich Richtung Küste. Auch um die lästigen Mücken endlich loszuwerden. Ich treffe in Västerwick ein. Ein wirklich schönes, gemütliches und überschaubares kleines Städtchen mitten am Meer. Besonders der Hafen hat es mir angetan und so parke ich mein Auto unauffällig auf einem Parkplatz mitten am Hafen. Ich bin nicht der einzige der die Nacht dort verbringen wird. Am Abend gibt es noch Musik im Hafenviertel und ich finde eine öffentliche Süßwasser/Trinkwasser Quelle am Hafen die ich bei Nacht und Nebel nutze.

Der nächste Tag. Ich breche am Nachmittag auf und fahre weiter Richtung Oskarshamn. Vorher besuche ich jedoch noch ein kleines Fischerdorf bei dem die Straße förmlich endet und im Meer verschwindet. Hier, so lese ich an einer Tafel, findet einmal im Jahr ein riesiges Fest statt an dem das ganze Dorf bis zum besten voll ist. Aktuell ist es totenstill. Nur zwei Paddler paddeln mit ihren Seekajaks vorbei.

Ich fahre weiter nach Oskarshamn wo ich auch die Nacht verbringe. Im Hafen von Oskarshamn kann ich mit dem Auto bis zum Kai fahren und setzte mich gemütlich auf eine Bank, koche etwas zu essen und schaue den Aus- und Einlaufenden Schiffen zu. Nach dem Essen zieht es mich zu einem kleinen Stadtrundgang durch die angrenzenden Gebiete. Unspektakulär aber ich erfahre von einem nahegelegenem Atomkraftwerk welches man wohl besichtigen kann. Nun gut, das muss ich sehen und fahre die wenigen Kilometer zum AKW. In meiner Vorstellung stehe ich auf irgendeinem Parkplatz weit weg vom Atomkraftwerk und schau auf irgendwelche Erklärungstafeln. Falsch, ich passiere mit dem Auto einen großes, unbewachtes Tor und fahre direkt auf einen Parkplatz nur ca. 100 Meter vom Kraftwerk entfernt. Ich kann sogar bis auf 50 Meter rangehen, allerdings wird alles mit Video überwacht und Fotografieren ist strengstens Verboten, was durch riesige werbeähnliche Tafeln jedem unmissverständlich klar gemacht wird. Aber noch ein bisschen geschockt, das ich hier so einfach einfahren kann und mich hier umsehen kann, sehe ich die Krönung. Ein Picknickplatz mit Aussichtsturm (von oben kann man alle 4? Meiler sehen und auch eine Forschungsanlage). Auf dem Gelände befindet sich auch noch ein historisches Dorf, welches aber schon geschlossen hat. Ich fahre mit wahrscheinlich verstrahltem Kopf zurück nach Oskarshamn und schlafe im Auto am Hafen.

Früchstück mache ich am selben Platz wo ich gestern das Abendbrot gegessen habe danach fahre ich gleich weiter, schließlich will ich nicht noch mehr Strahlung abbekommen. Ich fahre am Rand des Glasriket richtung Kalmar.

Kalmar, Öland und die Kriegsmarine in Karlskrona

In Kalmar kämpfe ich ersteinmal um einen guten Parkplatz nahe der Innenstadt. Alle sind dort bis 17 Uhr (glaube ich in Erinnerung zu haben) kostenpflichtig. Aber ich finde doch einen Gratisplatz zwischen der Festung und der Altstadt. Dort entscheide ich mich zu einem kleinen Nickerchen. Frisch gestärkt laufe ich dann ersteinmal zur Festung, leider mit Eintritt. Ich umrunde sie fast und finde einen wunderschönen Strand an dem zwei Polizisten in Patrouille schieben. Ich denke mir: Doch kein schlechter Job.

Jetzt will ich aber in die Innenstadt. Heute veranstaltet Radio Schweden eine Art Musikfestival mit verschiedenen Aufführungen von diversen Künstlern und Theatergruppen, so wie ich das verstanden habe. Es ist bei weitem noch nicht 17 Uhr und so schlendere ich durch die Altstadt von Kalmar. Viel Volk ist unterwegs und ich gönne mir ein Eis und ein kühles Getränk. Kurz vor 17 Uhr hole ich dann das Auto und stelle es gebührenfrei mitten in der Altstadt an der Stadtmauer ab und gehe zum Fest welches bereits langsam beginnt.

Der nächste Tag. Es geht über die Brücke nach Öland. Geplant habe ich auch hier nichts ich will einfach die Küste abfahren und dann werde ich ja sehen was mich erwartet. Mein erster Stop ist Borgholm. Ein Stadt aber für mich nicht besonders Sehenswert daher fahre ich zu nahegelegenen Burg in derer Nähe ich mich auch entscheide zu übernachten. Vor der Burg finde ich ein riesiges freies Feld und ich beschließe einfach dort stehenzubleiben, was mir noch einige Überraschungen bringen sollte. Ich erkunde das Gelände der Burg und eines Schlosses, was wohl der Königsfamilie gehört. Am Abend liege ich ganz entspannt im Auto und lese als ich plötzlich merkwürdige Geräusche vernehme als ob jemand Steine oder Schlammkugeln auf das Auto wirft. Etwas erschrocken habe ich den Grund gefunden. Riesige (in meiner Erinnerung) Käfer sind immer wieder gegen das noch warme Auto gekracht und haben sich auch darauf abgesetzt. Ich wage mich nicht nach draußen schließlich will ich mit keinem der Käfer das Bett teilen. Am Morgen dann die nächste Überraschung. Wie sich herausstellte war die freie Fläche eine Weide für Kühe und so stand ich inmitten einer Kuhherde. Frühstück ließ ich aus da ich keine Lust hatte es mit einer sabbernden Rinderzunge zu teilen. Stattdessen mache ich mich auf den Weg an die Ostküste Ölands. Diese fahre ich in ein paar Tagen ab und halte immer wieder an besonders schönen Stellen oder Interessanten Orten wie einem alten Fischerdorf, Windmühlen oder Strände mit Kühen. Meine Kamera schone ich da ich keine Möglichkeit hatte sie zu laden und meine Akkus schon fast verbraucht sind.

Nach Öland geht es weiter nach Karlskrona einer Kriegsstadt mit Marinemusseum. Ich komme zeitig in der Stadt an und besuche als erstes das Marinemuseum welches wirklich sehr gut gemacht ist und seinen Eintrittspreis definitiv wert ist. Auch schlendere ich ein wenig durch die geschichtsträchtige Stadt und besuche Strand, Hafen und Innenstadt. Alles liegt eng beisammen da Karlskrona auf einer Inselzunge erbaut ist die aber mit Brücken verbunden ist. In der Stadt gönne ich mir eine große Pizza und am Abend zieht es mich weg von der Stadt auf der Suche nach einem Schlafplatz welchen ich auch finde. Belohnt werde ich mit einem phänomenalen Sonnenuntergang an dem ich gefühlt fast 50 Fotos mache und meine Energiereserven fast aufbrauche.

Zurück

Mit wenig Energie im Fotoapparat fällt es mir schwer nicht überall Fotos zu machen. Nach Karlskrona geht es über Ronneby, Karlshamn, Kristianstad und Ystad wieder richtung Malmö. Auf dem Weg dorthin komme ich an Lachsströmen vorbei, an leeren Stränden, an den typisch schwedischen Häusern, Wald aber auch viel besiedeltem Gebiet. Vor Malmö gibt es nochmals einen schönen Sonnenuntergang im Regen und auf der Fähre in Dänemark werde ich von Möven verabschiedet.

Alle Fotos auch in der Fotogalerie.

(Annmerkung des Autors: Ich habe damals noch keinerlei Ambitionen gehabt einen Blog zu betreiben daher habe ich mir keinerlei Notizen gemacht. Aus heutiger Sicht völlig unvorstellbar, daher musste ich bei diesem Bericht stark mein Gehirn anstrengen um noch einigermaßen alles zusammen zu bekommen. Aus dem Gedächtnis geschrieben 2013. Aber damals konnte ich schon ein wenig schwedische Luft schnuppern)

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