Test: Trekkingnahrung selbst gemacht. Dörren von Ei und Apfelmus, funktioniert das?

Was ist auf einer Trekking Tour genauso wichtige wie ein gutes und stabiles Zelt, einen warmen Schlafsack, gute Schuhe und gute Kleidung? Genau, gutes Essen! Auf meinen bisherigen Trekking Touren habe ich stets auf die Verpflegung aus der Tüte gesetzt, also spezielle Trekkingnahrung namhafter Hersteller. Leicht, gut verpackt und schnell zubereitet sind die Kerneigenschaften dieser speziellen, dehydrierten Verpflegung was sich auch im Preis widerspiegeln (der dabei natürlich hoch ist). Auf meinen kommenden Touren will ich, zumindest einen Teil meiner Verpflegung selbst herstellen bzw. zusammenstellen. Besonders inspiriert durch verschiedene Berichte (unter anderem bei ulligunde.com und hrxxl.wordpress.com) über das dörren, habe ich mir ein Dörrautomaten gekauft. Damit möchte ich in Zukunft Trekkingnahrung selbst herstellen, vorausgesetzt es klappt.

Als Vegetarier mache ich mir keine Gedanken zum Thema Fleisch dörren, das Chili-con-Carne ist da sehr beliebt. Ich möchte vor allem ein Modulares System, d.h. verschiedene Zutaten einzeln Verpackt und dann individuell auf Tour zusammenstellen. Somit lassen sich bestimmt super Soßen zu Nudeln basteln, was für das Frühstück oder einfach mal eine Suppe. Gute Anregungen und einige Rezept Ideen habe ich bereits hier gefunden. Was ich jedoch nicht gefunden habe war zum Beispiel Ei mit Zwiebeln (was es als dehydrierte Fertignahung gibt und zum Frühstück einfach klasse ist). Mein Ziel: Trekkingnahrung leicht gemacht 🙂

Der Dörrautomat
Aber zuerst einmal zu meinem Dörrautomat. Auf eine Empfehlung hin, habe ich mir das Gerät Bielmeier 601127 bei Amazon gekauft. Es bietet vier Etagen, welche nicht Gitterartig sind sondern komplett zu. Das ist vorteilhaft wenn man sehr flüssiges dörren möchte, es tropft nichts und es ist leicht zu reinigen. Ein weiterer Pluspunkt des Gerätes ist es die drei verschiedenen Einstellmöglichkeiten für die Temperatur (20, 40 und 60 Grad). Außerdem ist eine praktische Zeitschaltuhr direkt am Gerät verbaut so kann es bequem die Nacht über laufen und am Morgen ist dann hoffentlich alles Fertig. Noch etwas ist an diesem Dörrautomat anders. Die Luft wird nicht wie bei vielen anderen Geräten von unten nach oben gepustet sondern von oben nach unten. Dabei strömt sie in einem Kanal in der Mitte in die einzelnen Etagen und verlässt dann, an den Rändern der jeweiligen Etagen, das Gerät. Vielversprechend also, da die „feuchte“ Luft das  Gerät gleich verlässt.

Mein 1 & 2 Test
Als erstes habe ich das probiert was auch in der beiliegenden Anleitung beschrieben ist: Obst dörren. 2 Etagen Bananen und 2 Etagen Apfelringe war das erste Dörrgut welches der Automat ausspuckte (Anleitungen dazu finden sich im Netz dazu einige). Es funktionierte. Nach knapp 6 Stunden hatte ich wunderbar getrocknete Apfelringe und Bananenchips (die müssen das nächste mal etwas länger drin bleiben). Aber ich wollte ja nicht vorrangig Obst dörren. Darum, wenige Tage später, der zweite Versuch. Diesmal schon etwas spezieller und mehr in Richtung Trekkingnahrung. Ei und Apfelmus. Eine ungewöhnliche Kombination (ich hatte aber nur das beides da).

Ei (unfertig)Ei
Ich habe drei Eier genommen und sie knapp 8 Minuten gekocht so das sie fest sind. Danach habe ich sie in kleine Stücken geschnitten, mehr gehackt. Dann gewogen: 167 g Ei. Das Ei belegt eine Etage vom Dörrautomat, ganz unten.

Ei (fertig)ERGEBNIS: Das Ei hat ca. 6 Stunden gebraucht. Nach 5 Stunden habe ich es rausgeholt und mit einem Pürierstab so gut es geht zerkleinert und dann nochmal auf 2 Etagen alles verteilt und eine gute Stunde getrocknet. Es wiegt jetzt nur noch knapp 35 g. Jetzt noch Milchpulver, Zwiebeln und ein paar Gewürze dazu und fertig ist das Rührei oder Omelett.
167 g –> 35 g = 132 g Wasserverlust

Apfelmus (unfertig)Apfelmus
Das Apfelmus habe ich zuerst gewogen: 450 g. Danach habe ich es mit einem „Teigstreicher“ möglichst gleichmäßig auf zwei Etagen verteilt, ungefähr 0,3-0.5 mm dick. Das ist wahrscheinlich am wichtigsten. Hier, wie auch bei dem Ei, zeigt sich wiedereinmal wie praktisch die geschlossenen Dörretagen sind.

Apfelmus (fertig)ERGEBNIS: Apfelmus ist jetzt Fruchtleder! Auch nach ca. 6 Stunden hat sich die dicke des Apfelmus drastisch verringert. Es ist jetzt etwas dicker als Papier und relativ flexibel. Ich wollte es nicht noch länger drin lassen da es sonst stark brüchig wird. Das ganze wiegt jetzt nur noch 92 g, was unglaublich wenig ist, wenn man bedenkt das es am Anfang 450 g gewogen hat. Das heißt also 358 g Wasser müssten wieder zugeführt werden aber das Fruchtleder schmeckt auch so ganz gut und kann super im Müsli oder auf Pfannkuchen verwendet werden.
450 g –> 92 g = 358 g Wasserverlust

Fazit

Ob sich diese Art von Trekkingnahrun bei mir durchsetzen wird kann und wird sicherlich die Zeit zeigen. Es ist jedenfalls einiges an Arbeit und man muss alles vorher genau planen (macht ja auch spass) aber ob sich dann der Kosten-Nutzen Aufwand im Vergleich zu käuflicher Trekkingnahrung, als „dem fertige Tüten Zeug“, noch rechnet weiß ich nicht. Es gibt ja schließlich auch Fertig Produkte die man als Trekkingnahrung nehmen kann die nicht eine Stange Geld kosten. Trekkingnahrung a lá Aldi, Netto und Co. Spass macht es jedenfalls und man kann sich alles nach seinen Wünschen und Vorstellungen zusammenbauen

 

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12 Antworten

  1. martina sagt:

    Ich hab deine Dörrversuche gelesen. Ist ganz schön viel Arbeit. Ich würde dir für fertige Gerichte raten,die du dir selbst dörrst. Also wenn bei Muttern mal was übrig bleibt,rein in den Automaten und gut ist.

  2. Julia sagt:

    Ich bin beeindruckt… So kannst du dir auf jeden Fall sicher sein was zu verspeist.

  3. Christian sagt:

    Ist das Fruchtleder so zäh wie es sich anhört?!

  4. Stephan sagt:

    Ich bin auch noch am Überlegen, ob ich mir meine Trekkingmahlzeiten selbst zusammenstelle. Dein Erfahrungsbericht hat mich dazu noch mehr motiviert 🙂

    Viele Grüße und noch viel Spaß beim experimentieren.
    Stephan

    • Danke 🙂
      Ich werde dieses Jahr auch einen Teil meiner Nahrungsversorgung auf Tour selbst trockenen. Noch weiß ich nicht was genau ich mir da zusammenbasteln werde.
      Grüße, Felix

  5. Christin sagt:

    Wie bereitest du das Omelett zu mit deinem Pulver ?

  6. Matthias sagt:

    Hallo,

    Klingt super, bin am überlegen mir für meine nächste Tour einiges an Gemüse zu dörren.
    Hast du Erfahrungen was das wiederbeleben angeht? Muss man das lange Zeit vorher einweichen oder reicht es einfach in heißes Wasser und einige Minuten Kochen?

    • Hi Matthias,
      einweichen kann man das schon am Abend vorher und am nächsten Tag normal verarbeiten. Kochen geht vermutlich auch irgendwie, hab ich aber noch nicht probiert.

  7. Cecilia sagt:

    Wie ist Dein Rührei geworden? Wie hast Du es zubereitet?

  8. Romi sagt:

    So ähnlich wie du möchte ich auch dörren. Mir geht es nicht um Trekkingnahrung, sondern um einen Notvorrat. Deshalb schweben mir vor allem Müsliriegel vor. Ich hatte u.a. hier https://forum.gold.de/wie-lang-s-doerrgeraet-muesliriegel-als-krisenvorrat-haltbar-t10503.html schonmal gefragt, ob sich jemand auskennt und um Hilfe gebeten. Leider scheinen die Leute dort zwar viel über Notvorräte zu diskutieren, aber vom Dörren nicht viel zu wissen. Deshalb hier mein Hilferuf.

    Meinst du es ist möglich, Riegel zu dörren, die etwa ein gutes Jahr lang haltbar sind? Wie verpackst du dein Dörrgut, damit es dauerhaft trocken bleibt und nicht zu schimmeln beginnt. Über Infos zu deinen Erfahrungen würde ich mich freuen.

    • Hallo Romi,

      also Riegel hab ich auch noch nicht gedörrt. Am Besten du verschweißt dein Dörrgut und entziehst ihm den Sauerstoff. Mein Gerät ist nicht gerate ein Profigerät, vielleicht hält das deswegen nicht ewig.

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